Seit 20 Jahren begleite ich den Maler M.Scharpf auf seiner Lebensreise, verfolge seine Intention, seine künstlerische Arbeit aus nächster Nähe. Welchem Geist, welcher Lebensrezeptur entsprang das Glück das ihm in guten wie in problematischen Zeiten zuteil wurde? Davon handelt das folgende, aus seinen Notizen und von mir in Form gebrachte Segment seiner Biografie.
Renata Scharpf Tejová, Oktober 2019
Die Farben des Lebens
Die Werke von M.Scharpf gelten als Solitäre der Kunst. Viele schätzen sein meisterliches Spiel zwischen Vergangenheit, Tradition und der Moderne.
Wie für den Künstler bedeutet es auch für uns eine Weitung des Horizonts wenn wir unsere Dogmen und gewohnte Sichtweisen von Zeit zu Zeit verlassen. Wir könnten die glückliche Zone des Tanzes zwischen Realität und Phantasie erfahren, das Einverständnis mit der Welt in ihrem ununterbrochenen Wandel – ohne ihn aus den Augen zu verlieren. Wir könnten erkennen wie sich die beiden so gegensätzlichen Landschaften von Verstand und Gefühl durchdringen und uns damit erst zu verantwortungsvollen Menschen mit dem gesamten Handlungspotential werden lassen.
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In der Urkraft des EROS spiegelt sich der Mensch, nicht nur in seiner gegenseitigen Anziehung sondern weit darüber hinaus in der Beziehung zum Kosmos. Im Großen wie im Kleinen, in der Welt der Steine wie in Tieren und Pflanzen – im gesamten Spannungsfeld unserer Existenz.
Der mythische EROS trägt zwei Pfeile im Köcher, die unser Verhältnis zu diesem Kosmos ausdrücken. Die goldene Spitze des einen befeuert die Leidenschaft und verweist auf die Liebe und das Leben selbst. Die Bleierne des Zweiten zeigt auf eine Welt ohne Sinnenfreude aus der EROS seine Psyche – und damit unsere Seele retten will. Für uns Menschen ein schönes Sinnbild, das bejahende Prinzip des EROS auch auf unser Leben in einer zunehmend seelenlosen Welt zu übertragen.
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Livestream
Am Sonntagmorgen des 27.1.2019 begingen – unbemerkt von den Medien zwei große Gestalten der Kunstgeschichte Selbstmord. Und ich wurde zum Augenzeugen.
Ein ungutes Gefühl beschlich mich schon während der Fahrt nach München, vermutlich ahnte etwas in meinem Inneren bereits, was mich vor dem Portal der Alten Pinakothek erwartete. Das war nicht nur der Strom lüsterner, mit Iphons bewaffneter Besucher, jeder ein großer Meister kunsthistorischer Verbildung – nein, an diesem Morgen geschah noch mehr.
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Seit über einem Jahr verwendet der Maler M.Scharpf den Begriff BLIND DATE für seine Themen. Was ist ihm daran so wichtig? BLIND DATE bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch eine Begegnung zwischen noch Fremden mit erotischer Absicht. Der Künstler bezieht den Begriff jedoch auf das Abenteuer des Lebens mit seinen oft übersteigerten Erwartungen und Illusionen, aber auch auf die täglichen reizvollen Begegnungen mit „Frau Welt“ und ihren bisher nicht wahrgenommenen Wirklichkeiten des Menschseins.
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Monolith im Strom der Zeit
Kybele stellt sich als Prototyp der großen Fruchtbarkeitsgöttin vor, aber auch sie ist eine Nachkommin noch älterer Urbilder. Sie ist Herrin über das fruchtbare Land, das Leben, und auch über den Tod. Aus ihr wurde beim Konzil von Ephesos 431 die christliche Maria. Eine gewaltige genetische Linie bis zum heutigen Tag.
Zusammen mit Dionysos bildet sie eine Metapher für die Resistenz des Lebens und der Schöpfung im weitesten Sinne. Damit antwortet sie auf die wohl größte Herausforderung unserer Zeit – die Erhaltung der Lebensgrundlagen.
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Oktober 2018
Zyklus 5-teilig, nach einer "plötzlichen" Idee entstanden. Frontseite: "...UND PLÖTZLICH“ Öllasurtechnik, Rückseite: „SCHATTENWELTEN“, Schwarzlotmalerei
...Im Februar 2018 führte ein Sturz des daueraktiven Künstlers Scharpf nicht nur zum Totalschaden des rechten Schultergelenks sondern auch aus manischer Unermüdlichkeit, die er glaubte sich und anderen schuldig zu sein.
Wie Blütenpollen im Frühling den Zwiespalt zwischen Mensch und Natur offenlegen, mit Krätze, Nasenfluss und geröteten Augen ihre Macht demonstrieren, so trat ihm Monate später an gleicher Stelle etwas völlig Unerwartetes entgegen, legte die Hand auf seine Schulter, beinahe wie um sie zu heilen. Das war keine Berührung der üblichen Art, es war, als senkte sich die Energie der gesamten Natur in ihn hinein.
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Wer gemalte Bilder nur als Tapetenersatz oder Geldanlage sieht nutzt nur einen kleinen Bruchteil der im Werk angelegten Potentiale. Seit es Kunst gibt wirkt sie auf den Menschen – vorausgesetzt allerdings, das Werk beinhaltet die Spannung zwischen Harmonie und Diskrepanz. Selbst die Provokation die uns unter Umständen kalt erwischt weil wir das Ungewohnte, ja sogar unsere innersten Wünsche so fürchten, spricht Bände. Sie macht auf die blinden Flecken in unserer Wahrnehmung aufmerksam – deren Beleuchtung sich lohnt, wollen wir nicht zum Opfer unserer selbst oder anderer werden. Die Fähigkeit zur reflektierten Wahrnehmung lernen wir mit etwas Übung. Die Kunst dient dabei als Informant über eigene Blockierungen, Wünsche, Vorstellungen.
UNERWÜNSCHTE WÜNSCHE ZUR QUELLE DER LEBENSGESTALTUNG WERDEN LASSEN.
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Es war im Frühling des Jahres 1502, als Leonardo das Bildnis der Gioconda begann. Über den genauen Zeitpunkt sowie über das damalige Alter der schönen Frau, liebe Zuhörer, möge ein Schleier gebreitet sein wie der, welcher das Antlitz Mona Lisas umhüllt. Denn wir wissen, dass es unschicklich ist über das Alter der Frauen zu reden. Es soll allein das Geheimnis des Meisters bleiben – und auch jenes, wie er in diesem Bild die Vergänglichkeit überlistete. weiter lesen...
Gerade beginnt die Vernissage in der Galerie eines kleinen Städtchens am Bodensee. Ein paar mutige Mitglieder des dortigen Kunstvereins haben sich an die Ausstellung mit einem Motto gewagt das schon im Vorfeld vielerlei Phantasien in Gang setzte – BLIND DATE.
Den Besuchern steht die Irritation ins Gesicht geschrieben – sie begegnen einer ungewöhnlichen Kunst, schockierend, doch mit partiell schönen Details, an die sich die strapazierte Seele anlehnen kann, bevor ihr eine infragegestellte Ratio – oder schroffe Ablehnung den Abend verdirbt...
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